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Standardisierte Abläufe verbessern Qualität für PatientInnen

Kurt

30. Dezember 2019

Sandra Tittel et. al. haben im Zuge der Implementierung von Standard Operating Procedures (SOPs) in einem deutschen Spital den Effekt der standardisierten Abläufe auf den Outcome und die Sterblichkeit der PatientInnen erforscht. Dabei haben sie festgestellt, dass die Sterblichkeit und Komplikationen sich kaum verändern, der generelle Outcome aber sehrwohl.

In Europa sind etwa eine halbe Million Hüftfrakturen pro Jahr zu beobachten. Aufgrund demographischer Veränderungen geht man von einer Steigerung über 20% bis 2040 aus. Hüftfrakturen gehen mit einer Verringerung der Lebensqualität einher, so Tittel et. al. in ihrer Studie.

In den Clinical Pathways, die im Robert-Bosch-Krankenhaus eingeführt wurden definiert man für Ärzte, Ärztinnen, MTDGs und SozialarbeiterInnen Handlungsabläufe um einen standardisierteb Prozess zu ermöglichen. Diese SOPs waren ISO 9001:2008 zertifiziert.

In die Studie wurden ältere Menschen (80+ bzw. in Ausnahmefällen 65+) aufgenommen, die nach einer Fraktur des proximalen Femurs anspruch auch eine Hüft-OP hatten. Es wurden 3 Zeiträume definiert: Das Jahr vor der Einführung der SOPs, das Jahr in denen die SOPs implementiert wurden und ein Jahr danach.

Über die drei Jahre der Studie hat sich gezeigt, dass die Zeit, die bis zur Operation vergeht, signifikant verkürzt wurde. Ebenso warteten PatientInnen weniger lange auf einE PhysiotherapeutIn. Letztlich konnten mehr PatientInnen nach Hause bzw. in ein Rehaprogramm entlassen werden. Es wurden über den Zeitraum weniger Pneumoniefälle dokumentiert und mehr Dekubitusfälle erkannt.

Die Aufenthaltsdauer der PatientInnen hat sich durch die Einführung der SOPs nicht verkürzt. Ob und wie oft Revisionen der Operation durchgeführt werden mussten ergaben ebensowenig eine Verbesserung. Die Heilung der Wunde hat sich auch nicht verbessert.

Interpretation

SOPs erleichtern den praktischen Ablauf eines Aufenthalts bei dem definierten Ausgangspunkt und können eine Verbesserung des Outcomes bringen. Sie können dabei helfen, verschiedene Parameter (z.B. Dekubiti) zu erfassen, die vorher eventuell unentdeckt blieben. Außerdem helfen sie (neuen) Mitarbeitern einen seltenen Ablauf ordnungsgemäß durchzuführen. Eine Vergleichbarkeit von Abläufen kann durch ISO-Zertifizierungen sichergestellt werden.

Limitationen

Da sich die Gesundheitssysteme in den verschiedenen EU-Staaten bzw. den Ländern der Welt zum Teil deutlich unterscheiden, sind nicht nur weitere Studien in den einzelnen Ländern sondern vor allem Studien in möglichst vielen Staaten wichtig und sinnvoll.

Literatur

Tittel S, et al. Clinical pathways for geriatric patients with proximal femoral fracture improve process and outcome. Orthop Traumatol Surg Res (2019), doi:10.1016/j.otsr.2019.07.029