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Depression in der Geriatrie

Kurt

22. Dezember 2019

In einer aktuellen Studie zeigen Haupt et. al., dass Depression keinen signifikanten Einfluss auf den Heilungsverlauf der PatientInnen hat. Das bedeutet aber nicht, dass Depression keine ernstzunehmende psychische Erkrankung von geriatrischen PatientInnen ist. Schließlich kann an den Problemen der älteren Menschen erst gearbeitet werden, wenn diese vorstellig werden. Depression wirkt sich daher besonders im Häuslichen Umfeld aus, wenn der soziale Kontakt fehlt. Isolation trägt maßgeblich zur Entwicklung einer DepressionCharles-Lozoya S. et. al. bei. Die mexikanische Studie von Charles-Lozoya S. et. al. hat sich mit dem Vorhandensein einer Depression bei PatientInnen mit Hüftfrakturen befasst.

Charles-Lozoya S. et. al. verdeutlicht, dass PatientInnen mit Depression öfter Seh- und Hörbehinderungen aufweisen, im Vergleich mit PatientInnen ohne Depression aber nicht signifikant gebrechlicher sind. Obwohl ein P-Wert von 0,03 den Unterschied beim Sturzrisiko beschreibt, sprechen die absoluten Zahlen eine durchwachsene Sprache. Durchschnittlich haben PatientInnen ohne Depression eher ein hohes Sturzrisiko. Dafür haben PatientInnen mit Depression durchschnittlich vermehrt ein mittleres Sturzrisiko.

Bei der im Zuge der Studie von Charles-Lozoya S. et. al. durchgeführten Assessments erkennt man generell schlechtere Werte bei den durchgeführten Assessments (z.B. Barthel-Index) bei der Gruppe mit Depression.

Einheitlich zeigt sich bei beiden Studien (Haupt et. al. und Charles-Lozoya S. et. al.) ein verschlechterter Ernährungszustand bei PatientInnen mit Depression. Charles-Lozoya S. et. al. beschreiben sogar einen Prozentsatz von 70,4% bei denen von Mangelernährung bzw. Mangelernährung und Depression gesprochen werden muss.

Limitationen

Limitiert ist die Studie von Haupt et. al. durch das hohe Spektrum bei den durch die in den einzelnen Assessments erhobenen Werte. So finden sich beim DEMMI zum Entlassungszeitpunkt sowohl Werte von 0 als auch Werte von 100, also den absoluten Minimal- und Maximalwerten des Assessments. Gleich verhält es sich bei Tinetti und Barthel-Index. Außerdem weisen die PatientInnen neben einer Verbesserung der Werte auch eine Verbesserung ihres psychischen Status auf.

Charles-Lozoya S. et. al. haben, obwohl das Thema in die Kompetenz der Berufsgruppe der PsychologInnen und PsychiaterInnen fällt, kein Assessment durch GerontopsychiaterInnen oder Klinische PsychologInnen durchführen lassen.

Interpretation

Die Studien verdeutlichen vor allem, dass Depression ein Thema in der Geriatrie ist, dem genug Aufmerksamkeit beigemessen werden muss. Prinzipiell kann von einem einhergehen schlechter Werte mit Depression sprechen. Es ist sozialer Isolation entgegenzuwirken. Außerdem spricht das Vorhandensein von Depression und Demenz nicht gegen die Aufnahme in einer geriatrische Einrichtung zur Remobilsation und Rehabilitation.

Literatur

Haupt, M., Jänner, M. & Richert, F. Die Bedeutung psychischer Störungen für den stationär akutgeriatrischen Behandlungsverlauf: eine explorative Untersuchung. Z Gerontol Geriat (2019) doi:10.1007/s00391-019-01671-8

Charles-Lozoya S., Cobos-Aguilar H., Barba-Gutiérrez E., Brizuela-Ventura JM., Chávez-Valenzuela S., García-Hernández A., Tamez-Montes JC. Depression and geriatric assessment in older people admitted for hip fracture. (2019) doi:10.4067/S0034-98872019000801005